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Die tiefsten Windungen bleiben. Das sind wir.


Wir wollen unsere eigene Geschichte. Sie muss unendlich groß sein. Wir wollen den Traum, den wir uns schon so oft erträumt haben. Wir wollen den einen Jungen, ungeschliffen und trotzdem Charakterstark. Wir wollen das Abendteuer, mit viel Sicherheit.
In hundert Filmen und Büchern, gibt es immer diese eine Geschichte, diesen Satz. Der schlechte Junge, der durchbrennt, Drogen nimmt, Mädels abschleppt, um die Häuser zieht. Das gute Mädchen, das in der Schule sitz und lernt, das normale Freunde hat, sich um die Freunde und Familie kümmert, nicht zu viel trinkt, nicht zu viel feiern geht.
Diese zwei lernen sich kennen, irgendwann lieben. Am Schluss, ist der schlechte Junge, der der ganzen Welt den Rücken zugekehrt hat, ein verdammt, netter und guter Junge.
Er verwandelt sich nach ein paar Seiten, ein paar Minuten, in einen komplett neuen Menschen. Wegen diesem Mädchen.
Ich bin ehrlich. Ich hatte auch schon diese Gedanken. Warum auch immer dieser Wunsch so unglaublich groß in uns ist. Vielleicht, ist das eine Liebeserklärung? Vielleicht ist es ein Erfolgserlebnis?
In Wirklichkeit, ist es verlogen und hinterhältig. Kein Mensch kann sich von null auf hundert charakterlich ändern. Charakter ist doch das, was uns ausmacht, was uns von anderen unterscheidet. Darum sind wir Individuen. 
Das Mädchen verliebt sich in den Jungen, in den guten, nicht in den schlechten. Heißt das, wir müssen uns erst um hundertachtzig Grad drehen, damit wir bereit dafür sind, geliebt zu werden?



Sicher gibt es den Reiz, den Gegensatz, der uns anzieht. Aber auf Dauer funktioniert das nicht. Natürlich verändern wir uns alle noch drei mal. Natürlich sind wir in unserem Alter noch längst nicht fertig mit unserem Prozess. Aber mal ehrlich. Die tiefsten Windungen unseres Charakters bleiben, das sind wir.

Da gibt es den Reiz. Den Abend. Die Nacht. Das Glück und das Kribbeln. 
Doch irgendwann ist das vorbei, die Welt, in der wir uns befinden, empfängt uns wieder. Der Alltag. Wir öffnen die Augen, auch wenn die Geschichte noch so schön war. Wir müssen weiter. 
Wir wollen verändern. Doch vielleicht doch erst uns, bevor wir Leben ändern, die so wie sie sind laufen. Mehr sollen sie doch auch nicht, oder ? Die Menschen müssen sich wohlfühlen, vom Fleck kommen, glücklich sein, auch wenn sie das anderes machen als wir selbst.

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