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*Gestern war noch alles wie immer*

Er fährt mir über die Lippen. Sein Daumen ruht auf meinem Kinn. Er zieht mein Gesicht näher an sich heran, ich strecke mein Kopf ein stück weiter zu ihm, lege ihn in den Nacken. Ich atme schwer, ziehe die Luft ein, habe das Gefühl mein Herz ist verbunden mit meiner Lunge. Jeder Atemzug schmerz, ich spüre wie mein Herz hüpft. Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, komplettes Neuland für mich. Ein Grund mehr warum ich vor all dem hier noch mehr Angst haben sollte, ich bin an dem Punkt angekommen, dass ich nichts mehr Beschreiben kann, keine Worte mehr finde.
Es hat was mit der Liebe zu tun oder?
Es liegt an dem Jungen, nicht an mir.
Ich bin ihm ausgeliefert. Keine zynischen Sätze kommen mir noch über die Lippen, keine sarkastischen Bemerkungen sind mehr zu hören. Nur noch die schweren Atemzüge von mir. Und ihm.
Ich will das Wort Leidenschaft nicht benutzten, ich möchte nicht behaupten, dass ich so etwas noch nie zuvor gefühlt habe. Und trotzdem ist die Situation neu, anders, intensiver. Jedes Wort, das ich wähle passt nicht, drückt nicht die schwere aus, die in dem Raum liegt. Mein Herz wird immer mehr angefeuert, von ihm, der immer näher kommt. Dem schweren Bass, der meine Füße zum vibrieren bringt. Vielleicht auch der Alkohol, der mit meinem Puls tanzt, ihn Pirouetten drehen lässt.

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Immer wenn ich denk es wär vorbei, kommst du mir wieder so gefährlich nah und alles fängt wieder von vorne an.

Ich habe über ihn noch nie viel geschrieben. Ich dachte immer, es wäre nicht notwendig. Aber das stimmt so nicht, denn er ist mein treuer Begleiter, seit dem Anfang meines Lebens. Es gibt so viele Grenzen, die ich bei ihm getestet habe, so vieles das ich bei ihm gelernt habe. Wer ich bin, was ich will und was ich auch von Typen will. Und ich habe schon so oft darüber nachgedacht, ob er denn nicht der Richtige für mich wäre. Ich habe mir schon so oft vorgestellt, wie das Leben später mit ihm wäre. In einer Wohnung, vielleicht mit Kindern. Mit einem Job, mit einem lächeln. Denn eines ist sicher, wenn ich bei ihm bin fange ich an zu lächeln und höre erst wieder auf, wenn er weg ist. Aus meiner Sichtweite, weg aus meinen Gedanken. Wie oft ich schon in der Badewanne lag, nachdem wir uns getroffen haben und ich mich tot gegrinst habe über unsere Sprüche, unsere Aktionen. Nur mit ihm kann ich in einer Stunde so viel neues von mir erfahren, so viel erleben, wie mit keinem anderen Erst wenn man …

Start again

Ich lese ihre wenigen Worte. Ironisch und mit einem fetten Zwinkern. Und ich lache. Eine kleine Glückswelle schlägt gegen meine Seele und lässt sie für wenige Sekunden aufleuchten. Gerade noch war ich in einen Text vertieft, es ging um Mut, das Selbstbewusstsein  und das Ich-Gefühl. Ich wollte, dass er mich endlich wieder mitreißt in meine Gedankenwelt, in der ich schon so lange nicht mehr war. Viel zu lange habe ich keine Buchstaben aneinander gereiht und daraus meine Regeln, Ereignisse und Kunststücke gebaut. Viel zu lange habe ich mich immer wieder gezwungen über diesen Kerl nachzudenken, zu einem Ergebnis zu kommen und über ihn einen Text zu schrieben der Abschließt. Viel zu lange wollte ich schon einen Text zu dem Ende schreiben. Über all das was in meinen letzten Monaten passiert ist. Aber irgendwie schaffe ich das alles noch nicht, nicht weil ich nicht damit klar komme. Vielleicht einfach deswegen, weil ich niemanden verletzten will, weil ich mir noch nicht über alles sicher bin…

Na und.

Es ist die Ausstrahlung, das Auftreten, all die Bider bei Instagram, der perfekte Körper, kein Gramm zu viel, alles super ausgeleuchtet, das Lachen an der richtigen Stelle, dass uns das Glück zeigt. Die gebräunten Beine, der Highleighter, der so wunderschön auf dem Nasenrücken und den Wangenknochen schimmert, die Schrittfolge, der Bewegungsablauf, der Gang, der alle anderen zwingt hinzusehen, die Haare, die fallen, als wären sie gerade frisch gewaschen und drei Stunden geföhnt worden. Das Outfit, das aussieht, als wäre es aus der letzen Zeitschriften Ausgabe, von einem Topmodell kopiert worden. Der Geschmack eben, der sind im Zimmer, den Klamotten, den Tanzschritten und in der Musik widerspiegelt, auf den alle neidisch sind.
Das war das Stichwort. Neid. 
Es ist Sonntag, eigentlich müssten wir für die Schule lernen, der Familie helfen oder einfach Sinnvolle Dinge erledigen. Aber die Puste ist uns allen ausgegangen, weil die Sonne vergessen hat zu scheinen und weil uns der Regen noch tief…