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Erinnerungsrhythmus

Wir ändern die Richtung. Unseren Lebensstil. Sehen uns anderes und wollen anders gesehen werden. Warum das alles so ist, wissen wir nicht. Erkennen wir wahrscheinlich viel zu spät. 
Wir verlieren uns, merken es nicht. Finden uns wieder und können es nicht würdigen. 
Es gibt Wochen in denen nichts passiert, in denen alles still steht und wir atmen können. Plötzlich dreht es sich, wir rennen unserem alten Ich hinterher und erkennen nicht, dass wir schon ein komplett anderer Mensch sind.
In manchen Zeiten, würde ich gerne mein kleines Ich wiedersehen, wenn ich in den Spiegel schaue. Doch dann bin ich wieder glücklich mich zu sehen, das was mich gerade ausmacht. Mit dem Stil den ich gerade trage, der mich ausdrückt, der anderen zeigt, für was ich einstehe und für was nicht.


Ich weiß nicht wirklich, was der Mensch von früher, mit dem von heute, noch gemein hat. Wie meine Wandlung zu Stande kam, wie ich das Ich ausgekramt habe, kann ich nicht sagen. Ob es schon vorbestimmt war oder einfach ein reiner Zufall ist.
Du hast dich weiter entwickelt. Positiv und negativ. Wie jeder von uns. Unsere Fingerspitzen berühren sich noch. Unsere Hände haben sich verloren, suchen nacheinander, aber können einander nicht finden, greifen.
Tränen sammeln sich an. Wut und das ewige Gefühl von Alleinsein. Mein Unverständnis macht sich breit.
Die Frage, wer sich mehr verändert hat. An sich eigentlich total nebensächlich, denn die Antwort würde das Problem nicht ansatzweise lösen. 
Unser Erinnerungsrhythmus ist noch im gleichen Takt. Wir können noch an den gleichen Stellen lachen.
Ich hoffe so sehr, dass sich unsere Hände wieder annähern können. Ganz langsam und leise, als wäre nichts gewesen. So, dass wir es nicht merken, nicht einmal glauben können, was die Vergangenheit mit uns gemacht hat.


"And it hurts so much to want something you can’t have."

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Start again

Ich lese ihre wenigen Worte. Ironisch und mit einem fetten Zwinkern. Und ich lache. Eine kleine Glückswelle schlägt gegen meine Seele und lässt sie für wenige Sekunden aufleuchten. Gerade noch war ich in einen Text vertieft, es ging um Mut, das Selbstbewusstsein  und das Ich-Gefühl. Ich wollte, dass er mich endlich wieder mitreißt in meine Gedankenwelt, in der ich schon so lange nicht mehr war. Viel zu lange habe ich keine Buchstaben aneinander gereiht und daraus meine Regeln, Ereignisse und Kunststücke gebaut. Viel zu lange habe ich mich immer wieder gezwungen über diesen Kerl nachzudenken, zu einem Ergebnis zu kommen und über ihn einen Text zu schrieben der Abschließt. Viel zu lange wollte ich schon einen Text zu dem Ende schreiben. Über all das was in meinen letzten Monaten passiert ist. Aber irgendwie schaffe ich das alles noch nicht, nicht weil ich nicht damit klar komme. Vielleicht einfach deswegen, weil ich niemanden verletzten will, weil ich mir noch nicht über alles sicher bin…

I was so much younger yesterday.

Wahrscheinlich dachte ich, ich könnte ewig weglaufen. Vor der Vergangenheit, vor der Zukunft, vor den Gedanken die mich aufgefressen hätten. Aber jetzt ist es wieder da, das ganze Jahr zieht an mir vorbei, als wäre es ein Tag gewesen. All die Tränen, all das Grinsen, all das Hüpfen, das neue ich, das eigentlich noch immer so aussieht, wie das Spiegelbild von vor ein paar Monaten. Das Herz schlägt immer noch im gleichen Takt und trotzdem, ist in mir so viel passiert. Ich habe so viel gelernt und erfahren. Über Freundschaft, über Leben, über Glück und über Liebe. Selbstliebe. Manchmal da würde ich gerne einfach auf eine Wiese treten, für ein paar Minuten an einen Ort, an dem man ruhig denken kann, ohne von all den anderen Gefühlen in mir angeschrien zu werden. Manchmal da würde ich mir wünschen, einfach denken zu können, ohne von Erinnerungen bestimmt zu werden, in welche Richtung meine Entscheidung driften sollte. Manchmal, da würde ich auch gerne einfach keine Entscheidungen treffen müs…

Na und.

Es ist die Ausstrahlung, das Auftreten, all die Bider bei Instagram, der perfekte Körper, kein Gramm zu viel, alles super ausgeleuchtet, das Lachen an der richtigen Stelle, dass uns das Glück zeigt. Die gebräunten Beine, der Highleighter, der so wunderschön auf dem Nasenrücken und den Wangenknochen schimmert, die Schrittfolge, der Bewegungsablauf, der Gang, der alle anderen zwingt hinzusehen, die Haare, die fallen, als wären sie gerade frisch gewaschen und drei Stunden geföhnt worden. Das Outfit, das aussieht, als wäre es aus der letzen Zeitschriften Ausgabe, von einem Topmodell kopiert worden. Der Geschmack eben, der sind im Zimmer, den Klamotten, den Tanzschritten und in der Musik widerspiegelt, auf den alle neidisch sind.
Das war das Stichwort. Neid. 
Es ist Sonntag, eigentlich müssten wir für die Schule lernen, der Familie helfen oder einfach Sinnvolle Dinge erledigen. Aber die Puste ist uns allen ausgegangen, weil die Sonne vergessen hat zu scheinen und weil uns der Regen noch tief…