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Vorstadtprinzessin

Das letzte Mal als ich ihn gesehen habe, war ich verdammt jung. Verdammt Unwissend und Zahnspannenträgerin. Ich weiß nicht wie lange es wirklich her ist, gefühlt ewig. Wir waren auf einer, für mich, wirklich lahmen Party. Ich war kurz vorm gehen, wie immer, weil ich keinen Sinn darin sah meine Zeit dort zu vertrödeln.
Es war ein relativ großer Raum, er stand an der Tür. Überall Menschen, die meisten davon kannte ich, andere wollte ich schlicht weg nicht kennen. Ich zupfte ständig an meinen Sachen herum, sie waren neu und angeblich besonders cool. Es war viel zu warm, obwohl es eigentlich Winter war. Es war stickig und nebelig. Sie grölten um mich herum, Gläser gingen zu Bruch und ich fühlte mich mehr als verloren. Aber egal, das macht man eben in meinem Alter. Man ging auf Partys, sah Leute, machte mit ihnen herum, weil es Spaß machte. Mir nur eben nicht.
Beim rausgehen musste ich an ihm vorbei, davor hatte ich ihn zwar schon erspäht, doch noch nicht mit ihm geredet. Warum kann ich nicht sagen, vielleicht dachte ich, er würde sich nicht an mich erinnern.
Er wusste wer ich war, hatte aber fast nur Augen für meine Freundin. Ich fühlte mich noch kleiner, noch jünger, freute mich aber ihn zu sehen. Ich fand ihn toll, früher natürlich. Er war anderes, als all die Jungs um mich herum. Er hatte das Bad Boy Image durch und durch. Er und ich hatten Spaß, ich wurde komisch beäugt wenn ich mit ihm zusammen war. 
Heute habe ich ihn wieder gesehen. Wir waren in einem großen Raum, ich fühlte mich komplett unwohl. Meine Ohren waren durchgehend rot, drückten meine Unruhe aus. Ich habe ihn schon ganz früh entdeckt, wir saßen viele Meter auseinander, fast gegenüber, ich war mir nicht sicher, ob er mich gesehen und erkannt hatte, Wie das letzte mal auch. Das Gefühl ist ständig da bei mir, ich denke immer, ich würde alle Leute kennen, sie mich aber nicht.



Unten ist er mir dann über den Weg gelaufen, wir haben uns begrüßt, mehr nicht. Eine Mischung aus Enttäuschung und Freude machte sich breit. Ich hatte mir mehr erhofft, und trotzdem war ich froh, dass er mich erkannt hatte
Wir kommen aus unterschiedlichen Welten. Dafür kann er nichts und ich nichts. Privilegien gegen Probleme. Es soll nicht heißen, dass es nur die rosige Seite des Lebens gibt oder nur die düstere, definitiv nicht. Trotzdem habe ich eine Muscheldecke über mir, kann mich ausruhen, muss nicht planen, kann denken, kann träumen. Er nicht, für ihn gibt es fast nur Abweisung, blöde Blicke verbunden mit bescheuerten Sprüchen, obwohl er für seine Situation so gut wie nichts kann. Viele aber verstehen das einfach nicht, denke ich.
Vorstadtprinzessin gegen Bad-Boy-Plus.
Da steht er also, wir haben uns begrüßt gehabt, er hat mich erkannt, ich war froh und gleichzeitig enttäuscht. Jetzt aber reden wir, beide an die Türe gelehnt, versteckt von der Welt, auf die wir beide so gar keinen Bock haben. Die uns ignoriert und wir sie. Wir sind anderes und das aus Prinzip. Wir reden, als wären nicht drei Jahre vergangen, seit wir uns das letzte mal gesehen haben. Sein Blick ist so gewohnt, wie er über mich hinweggleitet. Er ist erstaunt, dass ich nicht mehr die kleine bin, ohne Zahnspange, das einzige was geblieben ist, ist meine schnelle Zunge. Meine Haare sind nicht mehr so extrem blond, der Pandabär ist aus meinem Gesicht gewichen. Er sieht mich an, ih gefällt was er sieht, er will das ich bleibe. 

Es fühlt sich wieder an wie früher. Wir gegen die Welt in dem Raum. Die Welt die wir nicht verstehen, nicht verstehen wollen. Diese Vorstadtprinzessin, die nicht mehr ganz so klein scheint, der Bad-Boy-Plus, aus dem vielleicht doch was geworden ist, auch wenn es niemand gewagt hätte zu glauben.

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I was so much younger yesterday.

Wahrscheinlich dachte ich, ich könnte ewig weglaufen. Vor der Vergangenheit, vor der Zukunft, vor den Gedanken die mich aufgefressen hätten. Aber jetzt ist es wieder da, das ganze Jahr zieht an mir vorbei, als wäre es ein Tag gewesen. All die Tränen, all das Grinsen, all das Hüpfen, das neue ich, das eigentlich noch immer so aussieht, wie das Spiegelbild von vor ein paar Monaten. Das Herz schlägt immer noch im gleichen Takt und trotzdem, ist in mir so viel passiert. Ich habe so viel gelernt und erfahren. Über Freundschaft, über Leben, über Glück und über Liebe. Selbstliebe. Manchmal da würde ich gerne einfach auf eine Wiese treten, für ein paar Minuten an einen Ort, an dem man ruhig denken kann, ohne von all den anderen Gefühlen in mir angeschrien zu werden. Manchmal da würde ich mir wünschen, einfach denken zu können, ohne von Erinnerungen bestimmt zu werden, in welche Richtung meine Entscheidung driften sollte. Manchmal, da würde ich auch gerne einfach keine Entscheidungen treffen müs…

Yeah you should be loving someone.

Da hängen tausend Bilder von irgendwelchen Mädchen, ich kenne nicht ihre Namen. Nicht den Grund warum sie in die Kamera lächeln und weiß auch nicht, ob es wirklich ihr Style ist, den sie tragen. Trotzdem hängen die Bilder da, ich mag die Atmosphäre die sie in mein Zimmer bringen, ich mag die Stille, die sie mit sich bringen und die verschiedenen Gefühle, die man erkennen kann. Manchmal, da starre ich stundenlang drauf, nur um zu verstehen, das es da vielleicht noch mehr draußen in der Welt gibt. Vielleicht mehr Menschen, die das anziehen, was ich anziehe. Die das hören, was ich höre. Die aus dem gleichen Grund lachen wie ich und nicht weg sehen, wenn Menschen, andere ausschließen.
Die Regenbogenfarben lassen den ganzen Raum erleuchten, alle Herzen schlagen im gleichen Takt und alle singen eine Zeile. Yeah, you should be loving someone. Ich habe lange gebraucht, um wirklich das große Ganze zu verstehen. Auch wenn ich lange gedacht habe, zu wissen wie ich glücklich sein kann, wie die Welt …

Take me on your dream.

Ich vermisse dich. Und ich weiß, dass du mich auch vermisst. Ich vermisse mich.
Ich vermisse all meine Gedanken, all meine Zweifel, all meine Glückshickser und meine Tränenfluten. Das Ich-Gefühl und den Weg, den ich dann doch nicht gehe. Meine Freunde und das Rausgehen, das draußen herumtollen, wie ein kleines Löwenkind, das zum erstmal Sand unter seinen Pfoten spürt.  All die Wellen, die mich mitreißen und mich zu einem neuen Gefühlshoch katapultieren, die mich in irgendwelche Männerarme spülen und für den winzigen Moment denken lassen, dass er es ist, der meine Welt ändern wird. Und in dem Moment glaube ich es wirklich, aufrichtig, voll und ganz. Glaube an das was zwischen uns passiert, an mich und meine Stärke die Vergangenheit endlich ruhen lassen zu können. Ich vermisse meine Sucht danach, mich verlieben zu wollen und meinen Verstand mit rosa Gefühlen benebeln zu lassen.


Über mir liegt ein Schleier, durch den ich nicht durch komme. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wann er begonnen…